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Die Kichwas, die Ureinwohner Ecuadors, versammelten sich traditionell beim Morgengrauen um ein Feuer, auf dem ein grosser Topf stand. Im Topf braute ein Tee aus den Blättern des Guayusa-Baums. Während sie diesen aus dampfenden Schalen tranken, erzählten sie sich reihum ihre Träume und liessen diese von den Älteren deuten. Dabei ging es sowohl um die Träume der Nacht wie des Tages. Gleichzeitig weckte der Tee sie auf und diente als Reinigung und zur Stärkung für die Jagd.

Auch im Grab eines bolivianischen Medizinmannes um das Jahr 500 wurden schon Blätter des Ilex Guayusa, einer Stechpalme, gefunden. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass Guayusa von den Kallawaya-Indianern als Anästhetikum bei Operationen eingesetzt wurde. Der immergrüne Baum wird in den höheren Amazonas-Regionen in Kulturgärten, sogenannten Chacras, angebaut und ist aus dem Alltag von Ecuador, Bolivien, Peru und Teilen Brasiliens nicht wegzudenken. Was der Mate – ebenfalls eine Stechpalme – für die Argentinier, ist der Guayusa-Tee in diesen Ländern.

Ein Baum mit viel Power

Die Blätter des Ilex Guayusa werden seit jeher täglich als Aufguss getrunken und für verschiedenste Leiden eingesetzt. So zum Beispiel bei Infektionen und zur Vorbeugung verschiedener Herzkrankheiten, bei Malaria, Diabetes, Syphilis, Bauch-, Leber- oder Muskelschmerzen, bei Menstruationsbeschwerden und Unfruchtbarkeit, bei Verdauungsproblemen sowie als Abhilfe gegen Hunger oder zur Bekämpfung eines Katers.

Seine energetisierende Eigenschaft wird ausserhalb der traditionellen Verwendungsgebiete immer bekannter und populärer, und der Anbau steigt. Auch Schauspieler Leonardo DiCaprio, der sich seit Jahren für den Regenwald einsetzt, unterstützt bolivianische Bauern mit Investitionen in den Guayusa-Getränkehandel.

Chacras sind eine Art natürliche Permakulturgärten, eingebettet in den umliegenden Regenwald. Der junge Ilex Guayusa eignet sich nicht für Monokulturen, da er sehr wenig Licht braucht. Trotzdem tut man sich gut daran, sich zu informieren, wo Guayusa-Produkte herkommen. Denn mit zunehmender Nachfrage liegt auch der Anbau nicht mehr nur in traditionellen Händen. Es ist übrigens nicht bekannt, wie sich der Baum natürlich fortpflanzt. Vielleicht hat er es auch verlernt. Seit Generationen wird die Pflanze von den Eingeborenen als Steckling vermehrt.

Wie Kaffee ohne nervös

Seine Wachmachende Eigenschaft verdankt Ilex Guayusa vor allem dem hohen Koffeingehalt. Mit etwa 2% Koffein ist eine Tasse Tee mit einem Espresso vergleichbar. Allerdings zeigt sich die Wirkung etwas sanfter, da das enthaltene Koffein an die Gerbstoffe gebunden ist. Diese müssen im Vorfeld abgebaut werden, damit das Koffein freigesetzt werden kann, was den Prozess verlangsamt und dazu führt, dass die wachmachende Wirkung nicht nervös macht und länger anhält.

Eine Eigenschaft, welche die indigenen Völker schon lange kennen und sich auf der manchmal tagelangen Jagd zu Nutze machen. Nebst wach hält einen Guayusa auch lange munter und konzentriert. Die Sinne werden geschärft und damit auch die Aufmerksamkeit. Und mit dieser Eigenschaft hat die Pflanze auch auf sich selber aufmerksam gemacht.

Noch bestätigt sich die Wirkung des Baumes mehr im traditionellen Gebrauch als in der klinischen Forschung. Doch was die indigenen Völker seit Jahrhunderten erprobt haben, findet zunehmend Einzug in wissenschaftliche Studien.

Supergesund und superfein

Eine Studie der Universidad Amazonica Ikiam hat kürzlich bestätigt, dass Guayusa bei Arthritis, Rheuma und Grippe Abhilfe schaffen und mit seinen Inhaltsstoffen bei Schlangenbissen hilfreich sein kann. Mit seinem Gehalt an Antioxidanten und Mineralien kann die Pflanze im Übrigen locker mit anderen Superfoods mithalten.

Als Tee werden die Blätter frisch oder getrocknet mit kochendem Wasser übergossen und lange ziehen gelassen. Sie können aber im Wasser bleiben, da sie nicht bitter werden. Mit seinem herben, erdigen und leicht süsslichen Geschmack lassen sich aus Guayusa auch leckere Kaltgetränke herstellen, die idealerweise ohne Überzuckerung als natürlicher Energy-Drink Einsatz finden.

So bereitet die Pflanze nicht nur den Weg für die Herausforderungen des Amazonas, sondern hilft auch in Situationen des Stadt-Dschungels. Getränke mit einem entsprechenden Guayusa-Anteil fördern die Konzentration und halten wach, ohne nervös zu machen. Der Effekt hält bis zu 6 Stunden an. Und nebenbei wird der Körper noch mit allen anderen vorteilhaften Substanzen der Pflanze versorgt. Ziemlich stark, dieser Baum!


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